Der Kümmerer! Vielleicht ein neuer Don Quichotte?

Ich hatte sehr viel zu tun, in diesen Tagen des Sommers 2010. Meine alte Mutter, die wir zu uns nahmen, damit sie nicht alleine in Lübeck dahin siechen sollte, sondern noch mit uns aktiv am Leben teilnehmen konnte, wurde vom ersten Tag ihres ’Hierseins’ zum absoluten Pflegefall. Darüber habe ich mich in kleinen Geschichten schon ausgelassen. – Mein Computer war gefüllt mit sehr, sehr vielen Kopien von Schreiben an alle erdenklichen Personen, Institutionen. Ich hatte diese mir wichtigen Dokumente zunächst nicht gelöscht, sie dienten mir als mein ’Gutes Gewissen’, dass ich mich NICHT mit den Flachheiten dieser Welt abfand, sondern überall meine Meinung vertrat, ob erbeten oder nicht.

Wenn meine Bemühungen einen politischen Hintergrund haben, so sammele ich diese Schreiben von nun an jährlich in Büchlein, die schon im Titel die klare Richtung des Inhaltes vorgeben. ’Das politische Jahr’ und dann die Jahreszahl. So werde ich es fortführen, bis zum eigenen Ende!

Bei der Bearbeitung meiner Archive fielen mir auch eine Vielzahl Schreiben in die Hände, die nicht von politischem Inhalt sind. Oh, dachte ich, Du bist ja ein gewaltiger Kümmerer, hängst Deine Nase aber auch überall ’rein… Wenn mich diese Art von Selbstkritik überkommt, streiche ich mir über meinen langen, grauen Bart und besinne mich auf einen Lieblingssatz von mir, den ich schon in viele Diskussionen eingeworfen habe: „Wenn nicht die Sehenden, wer soll dann aufschreien und die Blinden führen!?“ – Also sitzt hier eine neue Ausgabe des Don Quichotte de la Mancha?

Tatsächlich besuchten wir den Wohnort dieser Romanfigur von Miguel de Cervantes, die aber wirklich, wohl so ähnlich, wie von ihm geschildert, im 17. Jahrhundert gelebt und gewirkt haben soll! Unsere Hausbesitzerin in Pinar de Jabaga / Castilla la Mancha hatte in dem nur knapp 120 km entfernten Örtchen Mota del Cuervo ein kleines Hotel mit Namen Casa Rural La Luna. Und an diesem Flecken behauptet man, trotz vieler und mancher anders lautenden Aufzeichnungen, dass der ‘wahre Don Quixote’ (so ist die alte spanische Schreibweise) in diesem Ort lebte! Es gibt dort einiges zu sehen, unter anderem die schönen Windmühlen, gegen die ‘der Ritter von der traurigen Gestalt’ gekämpft hat. – Ich hoffe doch, bei allen selbst zugeführten Verunstaltungen meines Äußeren, dass ich nicht ganz so kläglich daher- komme, wie dieser kleine Landadelige Alonso Quijano, wie er in Wirklichkeit hieß.

Beim Suchen nach einem passenden Titelbild für dieses Buch mit der Arbeitsnummer 53 wäre mir das 1955 von Pablo Picasso geschaffene Gemälde schon recht gewesen. Es hängt heute, als über 40 Jahre alter Druck, bei mir an einer Wand im Arbeits- und Hundezimmer. Ziemlich vergilbt ist es leider inzwischen, weil es stets ungeschützt unseren ganz normalen Umzugswahnsinn mitmachen musste. Wer konnte denn damals ahnen, als ich das Bild unter anderem für meine erste eigene Wohnung in der Nähe von Düsseldorf kaufte, das sich ein so weiter Kreis nach langer Zeit hier in Österreich schließen sollte? Und ich war zwar stets ein offener Streiter für Gerechtigkeit, auch damals schon, doch wohl kaum ein so Besessener! Darum passt heute die Rolling Stones Zunge viel besser zu mir. Ich hoffe, die uralten Knaben werden die Nutzung ihres unmissverständlichen Logos als großes Kompliment annehmen! Wenigstens hat sich niemand negativ aus ihrem Management geäußert und Stillschweigen heißt im Kaufmännischen immer noch Zustimmung 🙂

Ihr Dr. Roman Schreiber

 

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